Startabsage beider Weltmeisterschaften

Manchmal muss man Entscheidungen treffen, die einem gar nicht gefallen, die man lang vor sich herschiebt, die innerlich schmerzen, die eine emotionale Herausforderung darstellen, aber im Sinne der Gesundheit bestimmt das Richtige sind. Der Körper eines Leistungssportlers ist sein Kapital, er muss funktionieren, er muss gesund sein, die Belastungen und das tägliche „An-die-Grenzen-Gehen“ aushalten, verarbeiten und aufbauen. Die Psyche und Einstellung muss im Einklang mit dem Körper sein. Wenn jedoch der Körper Signale setzt, dass er nun gerne ein bisschen Ruhe hätte, man weghört, unter Einschränkung weiter trainiert, muss man im Endeffekt doch feststellen, dass der Wille noch so stark sein kann, aber der Körper gewinnt und nun seine Pause hat.

Ich kenne meine Schwächen und meinen Dickkopf, die jedoch nur den Willen darstellen, dass ich eine Vollblutseele für den Triathlonsport habe. Ich bin der Meister im Weghören von Signalen. Doch nun will und kann ich das nicht mehr.

Dass ich eine schwere Operation mit Komplikationen Ende letzten Jahres an beiden Füßen hatte, ist durchaus schon bekannt. Gesund war ich seitdem nur kurz. Alles begann eine Woche vor meinem 2. Platz beim Ironman 70.3 Pescara, der von einem weiteren 2. Platz beim Ironman Austria gefolgt wurde. Mein linker Fuß ist seitdem entzunden, hatte ein Knochenmarksödem und kommt einfach nicht auf gleich. Die Muskulatur des Fußes ist noch zu schwach, um ein seriöses Training zu verkraften. Schmerz stellt einen täglichen Begleiter dar. Mein Kopf wurde dadurch leer, da er sich nur mehr auf Vermeidung von Schmerzen konzentriert hat und nicht auf die Verbesserung der Leistungsfähigkeit. Noch dazu wurde eine alte Verletzung an meinem Mittelfinger akut, die demnächst operiert werden muss.

Seit Bekanntgabe, dass die Ironman 70.3 Weltmeisterschaft in Zell am See – im eigenen Land – stattfinden wird, gab es kein wichtigeres Rennen in meinem Kopf. Seit dem Moment war alles auf dieses einzige Rennen ausgerichtet. Dass ich mich noch dazu für die Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifiziert habe, stellt das Pünktchen am I dar. Doch der Körper ist derzeit nicht fähig, Höchstleistung zu erbringen und somit habe ich mich schweren Herzen und nach langem Überlegen dazu entschieden, an beiden Weltmeisterschaften nicht an den Start zu gehen. Ich möchte in einer Topverfassung bei solchen Großereignissen sein, und das ist mit einem verletzten Körper nicht möglich.

Ich hoffe, dass durch meinen Startverzicht nun eine andere Profidame meinen Platz einnehmen kann.

Ich werde nun alles ausheilen lassen und wenn mein Körper wieder bereit ist, das Training aufnehmen und mir neue Ziele setzen.

Ich wünschen allen Teilnehmern tolle Weltmeisterschaften, dass ihr Spaß am Fighten eurer persönlichen Bestleistung habt.

Bis bald,
Lisa